Zum Welttag des Buches

Zum Welttag des Buches

Am 23. April ist der Tag des Buches. An diesem Aktionstag wird weltweit auf die Bedeutung des Lesens, der Bücher und des geschriebenen Wortes aufmerksam gemacht. Und da gibt es wirklich ein schier undurchschaubares Angebot: Über 32 Mio. deutschsprachige Veröffentlichungen listet die Deutsche Nationalbibliothek mit Sitz in Leipzig und Frankfurt/Main.

Darunter befinden sich übrigens auch Romane und sogar Gedichtbände zum Thema Pflege und Demenz! Drei Bücher sollen hier vorgestellt werden.

Frédéric Zwicker - "Hier können Sie im Kreis gehen"

"Ein Pflegeheim ist ein Haus der Erinnerung, ein Haus der Geschichten", sagt der 91-Jährige Erzähler in diesem 160 Seiten schmalen Band. Und das ist dem 1983 in der Schweiz geborenen Autor Frédéric Zwicker wichtig: ein Pflegeheim ist keine Aufbewahrungsanstalt für leere Hüllen, sondern ein Ort voller interessanter Lebensgeschichten. Dass diese Geschichten oft unter vielen Schichten verborgen liegen, zeigt der Roman auf vielerlei Weise. Er ist fragmentarisch gehalten, wie ein unvollständiges Tagebuch. Der Leser wird in ein Labyrinth hineingezogen - damit charakerisiert Frédéric Zwicker, der selbst Zivildienstleistender in einem Pflegeheim war, die Volkskrankheit Demenz treffend. Das Pflegeheim ist hier ein Soziotop, in dem die Mitarbeiter versuchen, die Kontrolle zu behalten, und die Bewohner auf der Stelle gehen. Oder eben im Kreis.

"Hier können Sie im Kreis gehen" ist 2016 bei Nagel & Kimche erschienen.

Martina Hefter - "Es könnte auch schön werden"

Die in Leipzig lebende Schriftstellerin Martina Hefter besucht ihre Schwiegermutter, so oft sie kann, im Pflegeheim und verbringt viel Zeit mit ihr. Über die Jahre ist aus diesen Eindrücken ein Langgedicht entstanden, das Alter, Krankheit und Sterben, den Mikrokosmos Pflegeheim mit seinen Eigenheiten, die Bewohner und ihren Alltag reflektiert. Die oft lückenhafte Sprache ist sehr empathisch und wird dem Thema vielleicht sogar mehr gerecht als ein klassischer Roman. In kleinen Begebenheiten können sich Angehörige wiederfinden, die ebenfalls einen geliebten Menschen auf dieser Reise begleiten. Da geht es um die schier magische Kraft des Fernsehers, um die Heimkatze, da steht das lyrische Ich in der Teeküche und rührt in voller Hygienekluft den Pudding für die Schwiegermutter an, den sie so mag (und der zu selten auf dem Speiseplan steht). Und nicht zuletzt gibt es kleine Geister und Teufel auf den Fluren, die manchmal die Bewohner heimsuchen.

"Es könnte auch schön werden" ist im März 2018 bei kookbooks erschienen.

Arno Geiger - "Der alte König in seinem Exil"

Arno Geiger - "Der alte König in seinem Exil"

August Geiger ist 83, vierfacher Vater, dreifacher Großvater, ehemaliger Beamter und seit 15 Jahren an Alzheimer erkrankt. Und er ist der Vater des österreichischen Schriftstellers Arno Geiger. Der Sohn beschreibt, was so viele Menschen erleben: Ein Elternteil verändert sich, wird wunderlich, manchmal aggressiv - die Familie weiß es nicht besser und reagiert mit Verständnislosigkeit und dauernden Ermahnungen. Nach jahrelangem Aufreiben kommt die Einsicht in das Wesen der Demenzerkrankung und August Geiger darf endlich sein, wer er geworden ist, ganz ohne Vorwürfe. Und schließlich entsteht zwischen Vater und Sohn eine ganz neue Bindung. Parallel dazu wird zunächst die häusliche Pflege und dann der Umzug in das Pflegeheim im Dorf nötig. "Die meisten Bewohner strotzten vor Leben, auf eine sehr elementare Art", stellt Sohn und Autor Arno Geiger hier fest.

"Der alte König in seinem Exil" ist 2011 im Hanser Verlag erschienen.