Bürger machen Bürger mobil

Keine Sekttaufe, sondern ein Scherenschnitt: Leutenbergs Bürgermeister Klaus-Dieter Marten und Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht beim offiziellen Schnippschnapp fürs "Bürgermobil" - assistiert von AWO-Geschäftsführer Andreas Krauße und Maik Kowalleck (MdL) (v. l.)
Einmalig im Freistaat: In Leutenberg gibt es eine außergewöhnliche Bürger-Bewegung. Hier machen Ehrenamtliche mobil - im wahrsten Sinne des Wortes. Und alles fing mit einer fixen Idee an ...
Offiziell ist seit dem 1. September das feuerrote Spiel-, pardon:
Bürgermobil unterwegs. Den funkelnagelneuen dunkelroten VW-Bus können sich behinderte oder ältere Leutenberger bestellen und dann zum Arzt, zum Einkauf, in die Kirche oder mit ihren Senioren-Freunden zum Ausflug gefahren werden.
"Verzapft" hat die Mobilisierung Klaus-Dieter Marten. Als er als Bürgermeister 2009 kandidierte, stellte er die Idee dazu erstmals zur Diskussion. Grund: Leutenberger, die kein Auto haben oder aus anderen Gründen auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind, haben nicht die besten Karten. Das ist - leider! - beileibe kein Problem ausschließlich des Landkreises ...
Marten wurde gewählt - sicherlich nicht nur wegen seiner Bus-Vision.
Doch genau die setzte er vom ersten Tag seiner Amtszeit in die Tat um. Als zum Jahreswechsel Leutenbergs Seniorenklub unter die Fittichen der AWO kam, sprach Marten deswegen bei Andreas Krauße vor. "Ich habe sofort damit Andreas Leopold, der sich bestens mit Finanzierungen und Fördermitteln auskennt, beauftragt. Der wandte sich an die ,GlücksSpirale' - und siehe da; es gab Projektförderung", so der AWO-Geschäftsführer.
Rund 40.000 Euro hat der VW-Bus gekostet, der nach den Wünschen der Stadt und der AWO ausgestattet ist. So kann mit dem Siebensitzer auch ein Rollstuhlfahrer befördert werden.
25.000 Lotto-Euro steuerte die ARD-"GlücksSpirale" bei. AWO-Chef Krauße war so begeistert, dass er nun selbst ein Los erworben hat. "Lotto spielen kann süchtig machen", warnte er augenzwinkernd beim offiziellen Schnippschnapp, mit dem der Leutenberger Bus in Betrieb ging. "Aber es dient eben auch einem guten Zweck."
Prominenteste Scheren-Künstlerin war übrigens Thüringens Ministerpräsidentin. Christine Lieberknecht, die an diesem Tag auch aus privaten Gründen in Leutenberg war, ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen. Auch nicht, vom AWO-Chef chauffiert zu werden ...
Leider kann das Leutenberger Modell so schnell keine Nachahmer finden.
Die Verwaltungsgemeinschaft Lichtetal, die es versuchte, ging leer aus.
Vorerst.
Ehrenamt macht mobil! Das gilt auch für den Bürgerbus: Bürgermeister Marten hatte über den "Herold", das städtische Amtsblatt, Chauffeure gesucht.
Elke Wolfgram, Heike Baumann, Marina Oswald und Friedrich Quoika stellten sich spontan zur Verfügung.
Sie haben schon erste Testfahrten absolviert. Das fiel allen noch leicht.
"Aber das Aus- und Einbauen der Sitzbänke, wenn man einen Rollstuhlfahrer mitnehmen will, ist knifflig und man braucht schon einige Kraft dazu", meinte Heike Baumann. Sie weiß das am besten einzuschätzen - ihr Ehemann ist Rolli-Fahrer.
Im Quartett ist Friedrich Quoika wohl der Erfahrenste. Er hat bis vor vier Jahren, als der Berufskraftfahrer in Rente ging, auch die ganz großen Busse bewegt. Elke Wolfgram in Leutenberg vorzustellen, hieße Eulen nach Athen zu
tragen: Sie ist nicht nur als Stadträtin aktiv, sondern kümmert sich ums Vereinsleben, (noch) um den AWO-Seniorenclub und natürlich um ihren Laden.
Vierte im Bund ist Marina Oswald, die Hirzbacher Ortsbürgermeisterin.
Die vier stimmen sich über den Einsatz ab, der bei Ina Fink im Fremdenverkehrsamt koordiniert wird. Dort kann man anrufen und bestellen, aber "mindestens einen Tag vorher", wünscht sich Bürgermeister Marten.
Der Aktionsradius des Busses beschränkt sich derzeit auf die Einheitsgemeinde. Im Notfall ist aber auch ein Transfer nach Saalfeld drin.
Wer die Dienste des Bürgermobils in Anspruch nimmt, muss nichts bezahlen.
"Aber eine kleine Spende würden wir gern nehmen", sagt Marten. Schließlich teilen sich AWO und Stadt die Kosten: Die AWO ist Halter, zahlt Steuern und Versicherungen. Die Kommune kommt für die Betriebskosten, wie z. B. den Diesel, auf und stellt einen sicheren Parkplatz.
Bus-Bestellung:
Ina Fink (Fremdenverkehrsamt Leutenberg)
Telefon 036734 22262,
Fax 036734 22208
E-Mail ifink(at)leutenberg.de
Chauffiert wird der Bürgerbus von Ehrenamtlichen: Elke Wolfgram, Friedrich Quoika, Marina Oswald und Heike Baumann (oben) haben seit 1. September das Steuer fest in der Hand.
Fotos: Rainer Aschenbrenner





