Jugendhilfe und Suchthilfe müssen stärker vernetzt werden

 

Nach neuesten Untersuchungen haben zwei Drittel der Thüringer Schüler der 9. und 10. Klasse schon einmal Tabak konsumiert, 99,2 Prozent haben Erfahrung mit Alkohol und 26 Prozent haben schon einmal illegale Drogen konsumiert oder tun dies regelmäßig. Die Zahlen sind alarmierend.

04.02.2010

Sozialarbeiter und medizinisches Fachpersonal sehen inzwischen eine Schnittstellenproblematik zwischen der Suchthilfe und der Kinder- und Jugendhilfe. Schnittstellen zu definieren und zu diskutieren sowie Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu stärken sind Ziel eines Fachtages am 10. Februar in Erfurt, den die LIGA der Freien Wohlfahrtspflege in Thüringen in Kooperation mit der Thüringer Landesstelle für Suchtfragen e. V., der Fachhochschule Erfurt und dem Thüringer Sozialministerium durchführt. Darüber hinaus soll ein Auftakt zur Vernetzung gesetzt werden, indem die Ergebnisse des Fachtages (Vorträge und Workshops) in einem Handlungsleitfaden zusammengeführt werden.
Der Fachtag wendet sich besonders an Mitarbeiter von  Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, Erziehungsberatungsstellen, sozialpädagogischer Familienhilfe und Einrichtungen der Suchthilfe. Eingeladen sind außerdem Schulpsychologen und Mitarbeiter von Gesundheits- und Schulämtern.
Die Verschränkung der spezifischen Problemlagen in der Suchthilfe und der Kinder- und Jugendhilfe ist den Fachleuten längst bekannt.
Generell ist das Einstiegsalter in den Konsum von Suchtmitteln in den letzten Jahren gesunken. Immer häufiger findet schädlicher Gebrauch daher in einem Alter statt, in dem das Kinder- und Jugendhilferecht greift und somit die Jugendhilfe zuständig ist.
Noch allzu häufig wird übersehen, dass zum Beispiel Gewaltdelikte oft mit übermäßigem Alkoholkonsum verbunden sind oder Schuleschwänzen und Suchtmittelkonsum stark korrelieren. Die Haltung der Suchthilfe ist eindeutig. Rauscherzeugende psychoaktive Substanzen schädigen nachhaltig und teils irreversibel Organismus und Psyche Jugendlicher.
Doch die Jugendhilfe betrachtet betroffene Kinder und Jugendliche noch aus einem anderen Blickwinkel: Ist das Suchtverhalten der jungen Menschen tatsächlich das zurzeit größte Problem? Was treibt einen 12 jährigen dazu, sich bereits zum Mittag zu berauschen? Kann ein begleiteter Gebrauch von Drogen nicht auch eine Vorraussetzung sein, um die Grundbedürfnisse des jungen Menschen nach Anerkennung, Zuneigung und Wertschätzung zu befriedigen?


Die Tagung in der Fachhochschule Erfurt soll Signale einer zwingend notwendigen Kooperation in Form eines professionellen Case-Managements setzen. Durch gemeinsame Angebote der Kooperationen von Jugendhilfe und Suchthilfe soll eine Infrastruktur für Jugendliche mit problematischem Suchtmittelkonsum in Thüringen entstehen. Diese Infrastruktur muss Bestandteil von Sozialraum- und Jugendhilfeplanung werden.


Veranstaltung, Ort und Zeit:
„Wege aus dem Labyrinth – Kooperation und Vernetzung von Sucht- und Jugendhilfe“
am Mittwoch, 10.02.2010, 9.30 bis 16.00 Uhr,
Fachhochschule Erfurt, Altonaer Str. 25, 99085 Erfurt

 
 
 
 

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